• LinkedIn Social Icon
  • Twitter
  • Instagram Social Icon
Jeder AugenBlick verdient erlebt, genossen, festgehalten und weitergeben zu werden.
All diese Möglichkeiten biete ich mit meinen Events.

AugenBlicke werden inszeniert und umgesetzt von 

MARKUS RUF  markus.ruf@r-u-f.life

© 2017 by AugenBlicke    

IMPRESSUM  DATENSCHUTZ

by Markus Ruf. Created with wix.com

JEDER TICKT ANDERS
Alltagsgeschichten
 
AUSSER KONTROLLE

Lisbeth Schäfer: «Schläfst du?» 

Bruno Schäfer: «Nein.» 

Lisbeth: «Kannst du nicht schlafen?» 

Bruno: «Nein.» 

Lisbeth: «Warum nicht?» 

Schweigen. 

Lisbeth: «Warum sagst du nichts?» 

Bruno: «Weil ich nicht mag.» 

Lisbeth: «Ich bin auch müde und kann trotzdem reden.» 

Bruno: «Du tickst eben anders.» 

Lisbeth: «Genau das ist es. Du kannst mir ja sagen, wenn etwas nicht stimmt ... Ist es wegen mir?» 

Schweigen. Das glaub ich nicht, denkt Lisbeth, nach 32 Ehejahren! 

Lisbeth: «I-s-t  e-s  w-e-g-e-n  m-i-r?» 

Bruno: «Nein.» 

Lisbeth: «Warum sprichst du denn nicht? Vielleicht kann ich dir ja helfen.» 

Bruno: «Das glaube ich nicht. Es ist mein Problem.» 

Lisbeth: «Dein Problem?» 

Bruno: «Ja, mein Problem!» 

Lisbeth: «Was läuft denn schief? Nun sprich doch endlich!» 

Schweigen. Bruno dreht sich auf den Rücken. 

Bruno: «Es geht um Priska.» 

Lisbeth: «Priska Meier, deine engste Mitarbeiterin?» 

Bruno: «Ja, Priska Meier, meine engste Mitarbeiterin.» 

Schweigen. 

Bruno: «Sie ist schwanger.» 

Lisbeth sitzt senkrecht im Bett. 

Lisbeth: «Schwanger? Mein Gott.» 

Bruno: «Ja, schwanger ... aber nicht von mir.» 

Aufatmen. Lisbeth legt sich wieder hin. 

Lisbeth: «In welchem Monat?» 

Bruno: «Im fünften.» 

Lisbeth: «Aber das ist ja kein Grund zum Schweigen.» 

Bruno: «Nein, aber sie hat auch gekündigt.» 

Lisbeth: «Ouu, dumm. Aber du kannst sie doch ersetzen.» 

Bruno: «Ersetzen schon. Aber sie weiss doch alles.» 

Lisbeth: «Was alles? Sie muss sich doch loyal verhalten. Du hast sie ja immer sehr gut bezahlt.» 

Schweigen. Lisbeth dreht sich auf die Seite. 

Lisbeth: «Kannst du jetzt schlafen?» 

Bruno: «Nein.» 

Lisbeth: «Immer noch nicht?» 

Bruno: «... Sie wird auch heiraten.» 

Lisbeth: «Das ist doch nicht schlimm.» 

Bruno: «Nein, aber sie wird Schumacher heiraten.» 

Lisbeth: «Schumacher? Deinen Bankberater? Den kennt sie ja gar nicht.» 

Bruno: «Doch, seit fünf Monaten. Darum wird sie auch schnell über meine Situation Bescheid wissen.» 

Lisbeth: «Kannst du denn die Bank nicht wechseln?» 

Bruno: «Könnte ich schon, aber keine Bank wird meinen Schuldenberg übernehmen wollen.» 

Lisbeth: «Und Schumacher?» 

Bruno: «Schumacher? Der hat seine Familie hocken gelassen und heiratet Priska ...» 

Lisbeth: «Wie bitte?» 

Bruno: «... und er wird mich auch bald fallen lassen.» 

Lisbeth: «Kann er doch nicht, der sitzt doch im gleichen Boot. Der hat doch jahrelang eigenhändig deine Bilanz frisiert, damit er als Berater mehr Boni erhält ... » 

Stimmt, denkt Bruno.

Lisbeth: «... und du Steuern sparen kannst. Das hast nun davon mit deinem verfluchten Scheissgeld. ... Der kann dich nicht fallen lassen.» 

Bruno: «Doch, Priska hatte am Bankkundenfest einen Flirt mit dem internen Revisor und ihn auf die Spur gebracht.» 

Lisbeth: «Spinnt die denn?» 

Bruno: «Sie wusste nicht, wer er war. Schumacher hat sie erst nachher aufgeklärt.» 

Schweigen. Dicke Luft.  

Lisbeth: «Du musst mit Schumacher sprechen.» 

Bruno: «Das mache ich ja.» 

Lisbeth: «Aber sofort, wann?» 

Bruno: «Wann? Donnerstag um halb drei.» 

Lisbeth: «Mitten am Nachmittag? Kann der einfach weg?» 

Schweigen. 

Bruno: «Er wurde bereits fristlos entlassen.» 

Schweigen. Die Uhr schlägt drei. 

Bruno dreht sich wieder auf die Seite. 

Bruno: «Also, schlaf gut.» 

Lisbeth steigt aus dem Bett. 

Bruno: «Was machst du jetzt?» 

Lisbeth: «Buhh, jetzt kann ich nicht mehr schlafen.»