Geschichten von Menschen, die keine Schlagzeilen machen, sondern lieber Schlagzeilen lesen. 
Ihnen dabei über die Schulter schauen, sich in ihr Leben einmischen und ihren Alltag mit Phantasien, Träumen, Unterstellungen, Freuden und Überraschungen anreichern. Das ist der Augenblog wie er die Welt sieht:
Halbwahre Geschichten aus wahren Schlagzeilen.

Anna


«WO DIE MENSCHLICHKEIT EINKEHRT. Mit 92 blickt Emmy Füllemann auf ein Leben zurück, geprägt von Güte, Ehrfurcht und vom legendären Arzt Albert Schweitzer, für den sie in Afrika gearbeitet hat.»

Anna (91) stutzt und legt die Leselupe beiseite. Was sie mit zittrigen Händen und im Zeitlupentempo liest, macht sie echt nachdenklich. Hat sie ihr Leben verschwendet? Ihr Leben war von Arbeit, Geschäft, Kunden, Geld und Familie geprägt. Genau in dieser Reihenfolge. Sie muss tief in sich grübeln, bis sie etwas findet, das von echter Herzlichkeit, Güte und Ehrfrucht geleitet war. Wie eine Maschine hat sie funktioniert und das vorgespurte Leben und Unternehmen ihrer Eltern übernommen und weitergeführt. Arbeiten, Fleiss und Rechtschaffenheit waren die Koordinaten, die ihr eingepflanzt wurden. Und jetzt begegnete ihr diese Emmy Füllemann, die mit Dankbarkeit auf ein erfülltes, hilfreiches, selbstloses Leben zurückblickt. Da kann Anna selbst der morgige Geburtstag nicht mehr richtig erfreuen. Auch nicht der Brief, der mit ungeübter Schrift an sie adressiert ist. Er blieb tagelang ungeöffnet. «Geschätzte Anna. Mit grosser Verbundenheit möchte Ihnen herzlich danken, dass ich so lange in Ihrer Firma arbeiten durfte. Sie haben mir und meiner Familie ein lebenswertes Leben ermöglicht. Hochachtungsvoll, Magaziner Bruno.»

 Aktuelle Einträge